Kanada und ich – Antworten von Annegret Heinold

Kanada
© Annegret Heinold

Interview von Janna Olson.

Annegret Heinold ist tief eingetaucht in das warmherzige gesellschaftliche Mosaik und die bärenreichen Weiten Kanadas. Nach „111 Gründe Kanada zu lieben“ veröffentlicht sie im Mai 2020 zum zweiten Mal eine Liebeserklärung an eines der Umfragen zufolge „glücklichsten Länder der Erde“: „151 Kanada – Portrait eines weiten Landes in 151 Momentaufnahmen“. Sie lebt abwechselnd in Portugal und auf Vancouver Island.

Janna Olson: Sie zitieren in Ihrem im April 2019 veröffentlichten Buch „111 Gründe, Kanada zu lieben“ einen Artikel von FOCUS Online: „Warum Kanada anders als Amerika ist“. Das Magazin bezeichnet Kanada darin als eine „gelungene Mischung aus Cowboyland auf der einen Seite und einer liberalen, sozialen Gesellschaft auf der anderen Seite“.

Können Sie diese Gegenüberstellung nachvollziehen?

Annegret Heinold: Ja, ich habe sehr viel recherchiert für mein Buch und als ich diese Aussage fand, hat mir das sofort eingeleuchtet. Kanada ist ein sehr liberales und soziales Land, das merkt man beispielsweise an dem gut funktionierenden Gesundheitssystem. Im Gegensatz zu den USA, wo immer noch viele nicht oder nur unzureichend krankenversichert sind und wo eine Krankheit die Menschen aus der Bahn werfen und ruinieren kann, hat Kanada für sich ein System etabliert, was sich jeder leisten kann.

In manchen Provinzen ist es etwa kostenfrei, in anderen Provinzen zahlen die Leute geringe Beiträge wie 50 oder 70 Dollar im Monat – und das auch nur, wenn sie über 20 000 Dollar im Jahr verdienen.

Das heißt, es ist im Grunde fast ein “Umsonstgesundheitssystem“.

Die Versorgung reicht außerdem bis in die kleinsten Orte: Ich wohne in einem ganz kleinen Ort auf Vancouver Island. Hier gibt es zum Beispiel eine Krankenschwester, ein Gesundheitszentrum und ein Arzt, der dreimal in der Woche kommt.

Außerdem gibt es in Kanada ein gut funktionierendes Schulsystem, in dem gegenseitige Rücksichtnahme und auch die Inklusion von Behinderten sehr wichtig sind.

Was momentan ein sehr großes Thema ist, ist die Wiedergutmachung gegenüber den Ureinwohnern. Das ist seit zwei oder drei Jahren sehr präsent, und auch daran sieht man, dass Kanada ein liberales, soziales Land ist.

© Annegret Heinold

Janna Olson: Der Artikel des Focus bezeichnet Kanada andererseits aber auch als „Cowboyland“. Wie verstehen Sie diese Bezeichnung?

Annegret Heinold: Neben den großen, unbesiedelten Weiten des Landes fällt mir bei der Bezeichnung „Cowboyland“ auch die typische Atmosphäre und die Tradition bei Veranstaltungen ein wie beispielsweise dem Rodeo „Calgary Stampede“, der größten Freiluftveranstaltung der Welt.

Außerdem bezieht sich diese Bezeichnung meiner Meinung nach ebenso auf mobile Berufsgruppen, wie zum Beispiel die Baumpflanzer. Sie sind ein bisschen das, was die Cowboys früher waren. Sie ziehen mit ihren Jobs mit, stehen ein wenig außerhalb der Gesellschaft und hatten zeitweise einen schlechten Ruf, weil sie viel getrunken haben.

Janna Olson: … die Cowboy-Baumpflanzer also …

Annegret Heinold: Ja, so hieß auch ein Artikel, den ich für die österreichische Forstzeitung geschrieben habe: “Kanadas Baumpflanzer – Die Cowboys von heute“. Sie leben in einer verschworenen Gemeinschaft und machen einen sehr harten Job. Der Ruf hat sich mittlerweile verändert und ihre Arbeit wird zunehmend anerkannt. Seit einem oder zwei Jahren ist das gesellschaftliche Bewusstsein bezüglich der Wichtigkeit einer Aufforstung stark gestiegen.

Janna Olson: Mit welcher Erwartungshaltung sind Sie damals dem Wunsch Ihres Mannes nach Kanada gefolgt?

Annegret Heinold: Der ausschlaggebende Grund, weshalb ich nach Kanada kam, war mein Mann, der sehr gern geangelt hat, Kanufahren liebte und überhaupt ein Outdoor-Typ war.

Das war zunächst nicht so mein Ding, aber er hat mich schließlich überzeugen können, dass ich doch mal mitkomme.

Nach sehr langer Beziehung habe ich irgendwann gesagt, ich würde doch gern auch mal heiraten. Es stellte sich aber heraus, dass es für Deutsche in Portugal, wo wir zu diesem Zeitpunkt schon seit einiger Zeit dauerhaft lebten und 20 Jahre lang ein Gästehaus betrieben, ganz schwierig war, weil wir unendlich viele Papiere hätten besorgen müssen. Jemand erzählte uns damals, man könne in den USA lediglich mit einem Pass heiraten, für 25 Dollar. Mein Mann sagte: Gut, wenn du mit mir nach Alaska kommst, dann heiraten wir dort. Und genauso haben wir es gemacht. Wir flogen nach Anchorage und heirateten in Juneau. Und es ging wirklich ganz einfach.

So kam ich also das erste Mal nach Alaska und im Anschluss war ich erstmals in Vancouver. Das hat mich dann auch so gepackt, dass wir von diesem Zeitpunkt an jedes Jahr nach Kanada zurückkehrten.

Janna Olson: Was haben Sie sich damals vorgestellt, wie Alaska als Land auf Sie wirken würde?

Annegret Heinold: Aus den Erzählungen meines Mannes, den Reportagen und den Büchern, die ich gelesen hatte, dachte ich wirklich an „die Wildnis“. Ich weiß nicht, was ich mir genau darunter vorgestellt habe, aber als ich dort ankam, empfand ich zunächst, dass alles eher aussieht wie eine Parklandschaft. Ich war fast ein bisschen enttäuscht. Es war Sommer, und Alaska hat wirklich etwas ganz Liebliches im Sommer, wenn man nicht gerade auf einem reißenden Fluss sitzt. Neben den Städten wie Fairbanks oder Anchorage haben mir die Natur, die Weite, die Größe, die Leere sehr imponiert. Auch ist mir der Geruch feuchter Erde in den Wäldern dort besonders in Erinnerung geblieben.

Janna Olson: Was genau hat Sie an Vancouver so gepackt?

Annegret Heinold: Vancouver hat eine einzigartige Lage, denn neben den Bergen und dem Meer in der Nähe, welche unter anderem für tolle Luft sorgen, gibt es auch die schönen Binnengewässer wie die False Creek, sodass man sogar in der Stadt mit dem Boot fahren kann.

Die Stadt ist nicht sehr zugebaut, wodurch man immer einen guten Blick auf die schöne Umgebung hat. Vancouver ist keine erschlagende Großstadt, wie beispielsweise Toronto oder Montreal, denn es gibt auch innerhalb der Stadt diese Weite und eine entspannte Atmosphäre. Kanadier bezeichnen das als „west coast living“. Das Stadtleben ist angenehm leger – selbst der Autoverkehr ist ruhig und defensiv. Die Leute verhalten sich unglaublich hilfsbereit. Wenn man dort mit einem Stadtplan steht, wird jemand anhalten und fragen, ob man Hilfe braucht. Das Klima ist relativ mild, nicht wie in Toronto oder Montreal, mit den eisigen Wintern und viel Schnee. Wenn es in Vancouver mal 7 cm Schnee gibt, wie jetzt glaub ich, oder sogar 15 cm Schnee…

Janna Olson: liegt die Stadt dann lahm?

Annegret Heinold: Ich glaube, sie können ganz gut damit umgehen, aber der Rest des Landes lacht sich immer tot, wenn da mal Schnee ist. Das wird gleich überall gepostet. Ein bisschen Schnee ist dort schon etwas Besonderes, das kommt nicht so oft vor, während der Rest des Landes quasi im Schnee versinkt.

Janna Olson: Was bedeutet der Begriff Heimat für Sie und wo würden Sie Ihre Heimat verorten – ist es überhaupt ein Ort?

Annegret Heinold: Ja, was ist die Heimat? Schwer zu sagen. Ich denke Portugal ist „die Heimat“, weil ich mich zum Beispiel nicht auf Ewigkeiten in Kanada sehe. Und das Hin- und Herfliegen im Alter…

Wenn ich eine Entscheidung treffen müsste, wäre das mein Ort hier in Portugal und nicht in Kanada.

Janna Olson: Und warum?

Annegret Heinold: Vielleicht weil Portugal in Europa liegt und näher an Deutschland ist, wo meine nicht mehr reisefähigen Eltern noch wohnen.

Außerdem lebe ich mittlerweile seit fast 40 Jahren in Portugal, seit Anfang der 80er Jahre. Neben diesem Zeitfaktor denke ich, Heimat ist dort, wo man sich wohl fühlt und nicht unbedingt dort, wo man geboren wurde. Dieses Gefühl der Verwurzelung habe ich ohnehin nicht wirklich kennengelernt, denn meine Eltern sind beide Flüchtlinge, und wir sind früher oft umgezogen.

Janna Olson: Sie haben das Umherziehen also schon in die Wiege gelegt bekommen – unterwegs zu sein, andere Kulturen kennenzulernen, sich anzupassen…

Annegret Heinold: Ja, den Prozess sich von Orten lösen zu können und neu Fuß zu fassen, habe ich früh kennengelernt. Das kann ein Vor- und Nachteil sein, für mich fühlt es sich nicht sehr außergewöhnlich an, denn so bin ich eben aufgewachsen.

Janna Olson: Gab es einen Zeitpunkt, wo sich das Touristen-Dasein gewandelt hat in ein Gefühl der Zugehörigkeit, seitdem Sie auf Vancouver Island leben?

Annegret Heinold: Ja, das war der Moment, als ich mit meinem Auto von meinem Haus zur Bibliothek fuhr und mit meiner eigenen Bibliothekskarte da rein ging. Da dachte ich, jetzt bin ich kein Tourist mehr.

Janna Olson: Viel unterwegs zu sein, die unterschiedlichsten Orte und Menschen kennen zu lernen und sich fremden Kulturen zu öffnen, kann einen Menschen verändern. Haben Sie das Gefühl, dass Sie sich als Mensch, speziell durch Portugal und Kanada, verändert haben?

Annegret Heinold: Ja, das kann gut sein. Das Leben in Portugal hat mich dahingehend verändert, dass ich ziemlich schnell eingesehen habe, dass man hier mit einer bestimmten deutschen Art, nämlich das alles auf eine bestimmte Weise zu laufen hat, nicht sehr weit kommt. Die Menschen hier in Portugal werden nicht sehr schnell ärgerlich oder ungehalten und wollen beispielsweise nicht gleich den Geschäftsführer sprechen, sobald etwas nicht stimmt.

Das wird in Portugal und auch in Kanada anders gehandhabt. Beide Länder sind sehr „weich“ in der Umgangsform. Ich habe mich schnell angepasst und diese Weichheit schätzen gelernt. Das Leben verläuft dann mit größerer Gelassenheit und nach dem Motto „Na gut, dann ist es eben so“ und „leben und leben lassen“.

Janna Olson: Und Kanada?

Annegret Heinold: Kanada ist genauso weich im Umgang, da sind sich die beiden Länder sehr ähnlich. Jedes Land hat seine Probleme, und natürlich gibt es auch aggressivere Leute in Portugal und Kanada, aber das sieht man seltener. Man sieht es seltener im Straßenbild, es umgibt einen weniger, man trifft es nicht so schnell an im Alltag.

Wenn man länger in Gesellschaften lebt, wo es freundlicher und zuvorkommender zugeht, dann wird es einem auffallen, wenn man sich in einer Gesellschaft bewegt, wo das nicht der Fall ist. Dann stutzt man, nach dem Motto: „Musste das jetzt sein?“.

Janna Olson: Einer der in Ihrem Buch aufgeführten 111 Gründe Kanada zu lieben lautet: „Weil Kanada nicht nur eins der größten, sondern auch eins der glücklichsten Länder ist“ (Grund 7). In diesem Kapitel beziehen Sie sich unter anderem auf verschiedene Internetquellen, wie zum Beispiel auf den World Happiness Report der Vereinten Nationen 2018, in welchem Kanada Platz 7 ziert, und auf einige persönliche Statements Ihrer kanadischen Freunde.

Wie nehmen Sie selbst die Stimmung wahr, und was trägt dazu bei, dass Kanada als eines der glücklichsten Länder der Welt gilt?

Annegret Heinold: Ganz allgemein gehört Kanada zu den glücklichsten Ländern der Welt laut diesem Index, ja.

Das deckt sich größtenteils auch mit meiner Wahrnehmung. Es herrscht tendenziell eine außergewöhnlich große Zufriedenheit, meiner Meinung nach. Natürlich ist das nur eine sehr verallgemeinernde Aussage. Es spielen viele individuelle Faktoren eine Rolle beim Glücksempfinden eines Menschen, sodass diese immer stark von der eigenen Lebensqualität abhängen. Auch in Kanada gibt es Armut und deren schlimme Folgen.

Ich denke ein großer Faktor in dieser Wahrnehmung ist der Vergleich mit dem eigenen Herkunftsland und wie es mit solchen Problemen umgeht. Deutschland nehme ich beispielsweise eher so wahr, als würde vergleichsweise öfter oder schneller “gejammert“. Außerdem erlebe ich viele Teile Kanadas besonders in den Städten als entspannt. Viele andere Länder haben vermutlich ein höheres Level an Schnelligkeit und einen dadurch verursachten kontinuierlichen Stresspegel. Zu den positiven Faktoren, die diese Art Entspanntheit bedingen, zählen auch hier wieder die Natur, der weichere Umgangston und eine gut gelebte Integration.

Janna Olson: „Kanadier sind für ihre Höflichkeit bekannt. Sie gelten stets als freundlich, nett und zuvorkommend.“ (#kanadastisch) Auf das Klischee der besonderen Höflichkeit der Kanadier beziehen auch Sie sich in Ihrem Kapitel „Weil die Kanadier das höflichste Volk der Welt sind“ (Grund 41) und bestätigen eine besonders zuvorkommende Höflichkeit in den verschiedensten Alltagssituationen anhand Ihrer eigenen Erlebnisse.

In Gesprächen mit (reisenden) Freunden habe ich schon oft gehört, dass diese die Höflichkeit als aufgesetzt und nicht ehrlich gemeint empfunden haben. Wie empfinden Sie persönlich diese Art der Höflichkeit?

Annegret Heinold: Ich nehme diese Höflichkeit als ehrlich wahr. Außerdem herrscht in Kanada eine Kultur der Komplimente. Das habe ich bei der Erziehung der Kinder meiner kanadischen Freunde oftmals miterlebt. Schon den Kindern wird beigebracht, dass man sich bei einer Begrüßung üblicherweise auch ein kleines Kompliment macht, also etwas an dem anderen sucht, was einem gefällt. Als ich das meinen Reiseteilnehmern erzählte, kam am nächsten Tag eine der Frauen zu mir und sagte: „Ach, Sie haben aber eine schöne Bluse an.“ Dann erklärte sie mir, sie wolle das Komplimente-machen jetzt ebenfalls üben und sich für Deutschland beibehalten.

Oftmals erlebe ich solche Situationen auch im Bus, wo sich wildfremde Menschen einfach miteinander unterhalten und austauschen, und häufig entsteht ein solches Gespräch aus einem kleinen Kompliment heraus. Die Menschen nehmen sich so ganz anders gegenseitig wahr. Sie nehmen sich überhaupt wahr. Ich kenne so eine Art der Wahrnehmung eigentlich nur aus Kanada. Während in Deutschland im Bus oder in der Bahn eher weggeguckt wird, nehmen sich die Menschen in Kanada im Bus wahr und fangen Gespräche an. Die unterschiedlichsten Berufsgruppen treffen so aufeinander. Das birgt enorme Möglichkeiten. Und von unterschiedlichen Menschen können wir Unterschiedliches lernen. Es ist angenehm, wenn eine Gesellschaft so offen ist!

Ein kanadischer Freund hat mich mal in Portugal besucht und war überzeugt, man möge ihn dort nicht, denn als wir durch die Gassen liefen, hat man ihn zwar wahrgenommen, aber nicht angelächelt, so wie es in Kanada üblich ist. Man hat Augenkontakt und man lächelt sich an. Ganz selbstverständlich. Auch eine Art von Höflichkeit heutzutage. Ich führe das auf das Verhalten in den Siedlungszeiten zurück, wo man noch überlegen musste, zieht das Gegenüber jetzt eine Waffe und schießt, oder ist man sich gutgesinnt?

2009 hat man in Ontario sogar den „Apology Act“ erlassen, welcher festlegt, dass ein „sorry“ ein Ausdruck der Sympathie oder des Bereuens ist, ohne ein Schuldgeständnis zu beinhalten. Eine gesetzlich geregelte Höflichkeit quasi.

Janna Olson: Sie erwähnen in Ihrem 4. Grund – „Weil in Kanada die Integration leicht gemacht wird“ – einen Artikel aus der Washington Post mit dem Titel „Canada: A mosaic, not a melting pot.“ Genau das beschreiben sie als Ziel der kanadischen Integration. Wie haben Sie selbst Ihre Erfahrungen mit dem kanadischen Integrationsprozess erlebt? Empfindet sich die kanadische Gesellschaft als ein ebensolches Mosaik?

Annegret Heinold: Ja, die kanadische Gesellschaft ist stolz auf ihre Vielfalt und betont diese auch besonders. Beispielsweise ist mir letztens eine riesige Kampagne am Flughafen von Montreal aufgefallen. Man wird dort begrüßt mit den Worten: The only thing we all have in common: difference. Das, was wir gemein haben ist, dass wir verschieden sind. Das finde ich schon beeindruckend.

Zum hundertfünfzigsten Jahrestag 2017 nach der Gründung 1867 hat man das Ahornblatt als Symbol in verschiedenen Farben umgesetzt. Ein Zeichen der Vielfältigkeit. Auch hier finde ich das Bild des Mosaiks wieder. Dies ist auch ein beliebter Abgrenzungsgrund von den USA, welche gesellschaftlich betrachtet eher als der melting pot, als Schmelztiegel, bekannt sind.

Integration wird einem in Kanada leicht gemacht und großgeschrieben. Und Rücksichtnahme. Da gab es einen ganz süßen Moment zu Weihnachten in unserem kleinen Dorf auf Vancouver Island, wo mir eine Frau erzählte, die keine Familie mehr hat und auch keine großen finanziellen Mittel, dass sie von so vielen Familien zu Weihnachten eingeladen wurde, dass sie sich gar nicht entscheiden könne, wo sie hingehen solle. Das fand ich sehr witzig.

Janna Olson: Welche Intention haben Sie, wenn Sie eine Reisereportage schreiben?

Annegret Heinold: Bei den „111 Gründen Kanada zu lieben“, bei den „Fettnäpfchenführern“ (Fettnäpfchenführer Portugal – Die Kunst des Improvisierens im Land der Entdecker) und auch bei „Kanada 151“ (Kanada 151 – Porträt eines weiten Landes in 151 Momentaufnahmen) geht es mir genau wie bei den Reisen, die ich führe, darum, ein Land vorzustellen und zu sagen: „So, das ist das Paket, und daraus setzt es sich zusammen.“ Also einen Überblick zu vermitteln. Ich möchte das Land erfassen, auch für mich, und dann dem anderen sagen: „Guck – so sieht es hier aus.“

Janna Olson: Verstehen Sie sich damit auch als Vermittlerin zwischen den Kulturen?

Annegret Heinold: Darüber habe ich nie explizit nachgedacht, man könnte meine Arbeit aber sicherlich so betrachten. Denn ich versuche durchaus zu vermitteln. Und denke dabei vor allem auch an die nächsten Generationen, die viel häufiger im Ausland sind, die viel selbstverständlicher zwischen den Welten wandeln. Durch diese jungen Menschen wird sich im kulturellen Austausch viel verändern und weiterentwickeln.

© Annegret Heinold

Über Annegret Heinold

Annegret Heinold, geboren 1955 in Lüneburg, studierte Germanistik, Pädagogik und Naturwissenschaften in Hamburg und zog 1983 nach Portugal. Dort betrieb sie 20 Jahre lang ein Gästehaus und Seminarzentrum. Seit 2005 lebt sie abwechselnd in Portugal und Kanada, schreibt als freie Autorin Romane, Reisereportagen und Reisegeschichten und begleitet Reisegruppen für Studiosus Reisen als Reiseleiterin in Portugal, Madeira und Kanada.

„151 Kanada – Portrait eines weiten Landes in 151 Momentaufnahmen“ erscheint im Mai 2020 im Conbook Verlag

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