Backpacking in Pakistan – Antworten von Anne Steinbach & Clemens Sehi

© Anne Steinbach & Clemens Sehi

Weltwach: Im kürzlich erschienenen Buch „Backpacking in Pakistan“ behandelt ihr, wie der Titel schon verrät, ein eher ungewöhnliches Thema: Ihr habt euch für die Reise, die ihr darin beschreibt, ein vorurteilbehaftetes Land ausgesucht, welches es vermutlich selten auf eine Reiseländer-Wunschliste schafft. Wie ist eure Idee entstanden Pakistan bereisen zu wollen?

Anne Steinbach & Clemens Sehi: Wir lieben es durch richtig unbekannte Reiseziele zu reisen. Gleichzeitig sehen wir uns als Reisejournalisten „in der Pflicht“ Vorurteile zu beseitigen und über Länder zu berichten, die bisher einseitig beleuchtet werden. Pakistan war genau aus diesen beiden Gründen schon länger auf unserer Reise-Wunschliste. Wir haben vor unserer Reise knapp zwei Jahre lang genau beobachtet, wie sich vor allem die Sicherheitslage in Pakistan ändert und genau dann gebucht, als unser Bauchgefühl uns überzeugt hat. 

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Wie verbreitet ist die “Backpackingkultur“ in Pakistan?

Tatsächlich gibt es in Pakistan bisher wenig Tourismus. Der vornehmliche Grund des Reisens bestand für viele Touristen in Pakistan vor allem im Bergsteigen. Deswegen ist auch das Backpacking an sich noch lange nicht im Land angekommen. Als wir durch das Land gereist sind (2018), gab es gerade einmal ein Hostel, nämlich in Lahore, und ein paar hostelähnliche Unterkünfte im Norden des Landes, eben genau da, wo die berühmten Berge sind. Überraschend für uns war aber vor allem, dass man trotz des nicht vorhandenen Tourismus recht einfach durch das Land reisen konnte – genau so, wie man es aus „typischen“ Backpacking-Destinationen wie Thailand oder Indien kennt: mit Bus, Zug und auch Flugzeug.

© Conbook Verlag

„Terrorakte“, „Taliban“, „Al – Qaida“, „9/11“ und „Osama bin Laden“ sind nur einige der Stichworte, die mithin schnell mit Pakistan assoziiert werden, wie ihr in eurem Buch schreibt. Welche Erwartungshaltung hattet ihr vor eurer Reise? Welche Vorurteile haben sich bestätigt und welche haben sich abgebaut?

Wir haben uns Pakistan immer ein wenig wie Indien vorgestellt. Das heißt, wir haben eine Menge Verkehr, viele Menschen, chaotische Gassen und natürlich unheimlich viel Smog erwartet. Davon haben wir gerade am Anfang unserer Reise, die in Islamabad angefangen hat, gar nichts gemerkt, weil die Hauptstadt einfach unheimlich geordnet ist. Chaos, viele Menschen und ordentlich Verkehr gab es dann vor allem in den anderen Städten.

Wir sind natürlich nicht mit dem Gedanken nach Pakistan gereist, an jeder Ecke Terror zu spüren. Dennoch haben wir es uns nicht so einfach vorgestellt, wie es letztendlich war. Wir dachten schon, dass wir an einigen Stellen vielleicht eingeschränkt werden oder gar nicht weiterkommen. So war es letztendlich aber gar nicht. Wir konnten uns den Großteil der Zeit komplett frei bewegen und wurden dazu auch noch von allen super offen und herzlich aufgenommen. Auch das haben wir übrigens nicht erwartet! Eine solche Gastfreundschaft, wie wir sie in Pakistan erlebt haben, gibt es wohl in keinem anderen Land.

© Anne Steinbach & Clemens Sehi

Auf der gefährlichsten Straße der Welt: die Schotterpiste nach Fairy Meadows am Nanga Parbat ist nur Millimeter vom Abgrund entfernt

Eindringlich beschreibt ihr die ein oder andere schwierige Situation, in welche ihr auf eurer Reise geraten seid. Welche Herausforderung hat sich am nachhaltigsten bei euch eingebrannt?

Die größte Herausforderung stellte für uns der Norden des Landes dar. Allein für die Fahrt von Islamabad bis in das ca. 18 Stunden entfernte Gilgit brauchten wir pro Person über zehn Passkopien, die der Busfahrer für uns an jeglichen Polizei- und Armee-Checkpoints hinterlegt hat. Dazu steckten wir dann ewig im Stau, weil es zu Erdrutschen kam und dadurch die Straßen blockiert waren. Wir kamen dann mitten in der Nacht an und durften nach Grenzüberquerung der Region Gilgit-Baltistan nicht mehr alleine weiterreisen und wurden quasi in ein Hotel mit persönlichem Wachschutz einquartiert. 

Das lag daran, dass wir uns in einer Region befanden, in der es vor ein paar Jahren einen Anschlag auf eine Touristengruppe gab. Seitdem wird man dort eben extrem geschützt und das, obwohl danach nie wieder etwas passiert ist.

Im größten Schockmoment bleiben mit dem Herz auch die Gedanken stehen.
(Anne Steinbach in „Backpacking in Pakistan“)

Solche Situationen hatten wir dreimal auf der gesamten Reise und sie haben uns alle gezeigt, dass es in einem Land, in dem es heute kaum bis gar keinen Tourismus gibt, eben an einigen Stellen doch nicht ganz so normal ist zu reisen. Gleichzeitig sieht man natürlich daran mal wieder, dass man sich für das Backpacking keinen detaillierten Reiseplan basteln, sondern das Land einfach auf sich zukommen lassen sollte.

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Peschawar liegt an der Grenze zu Afghanistan, nur 50 Kilometer von Kabul entfernt. 
Es gilt als ewige Keimzelle des Terrorismus.

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Die pakistanische Flagge weht im eisigen Wind an den verschneiten Fairy Meadows

Ihr seid aufgebrochen, um Pakistan für euch ganz persönlich zu entdecken. Ihr wolltet diese Entdeckung bewusst loslösen von den Erwartungshaltungen anderer und euch ein eigenes Bild machen. Wie sieht dieses Bild nun aus? Was macht Pakistan aus eurer Sicht aus, welches Gefühl transportiert dieses Land?

Pakistan und die Pakistaner sind sehr warm. Wir haben wirklich noch nie ein so herzliches Volk kennengelernt. An jeder Ecke wurden wir mit einem Lächeln begrüßt, überall wurde uns geholfen und wir wurden unzählige Male zum Tee, Essen und sogar auf Taxi- und Rikschafahrten eingeladen, obwohl wir das natürlich vehement abgelehnt haben. Uns hat das Land so gezeigt, dass es eigentlich bereit ist für den Tourismus und sich Touristen wünscht. Genau das wollen wir so auch nach außen tragen, als kleine Botschaft für alle Abenteurer da draußen.

Immer wieder verlassen wir unser Zuhause, weil dem Reisen ein befreiendes Gefühl innewohnt. Es geht mit einer gewissen Portion Ungewissheit einher – besonders dann, wenn es herausfordernd ist und uns dazu zwingt, unsere ganz persönlichen Grenzen auszuloten. Wir reisen auch, um uns ein Stück weit zu verlieren und uns selbst neu zu finden.

(Anne & Clemens in „Backpacking in Pakistan“)

Ihr seid mittlerweile schon sehr viel gereist und habt einiges von der Welt gesehen. Wie hat speziell Pakistan euch verändert? 

Wir würden sagen, dass uns Pakistan noch einmal ein Stück offener und unbefangener gemacht hat. Es hat uns wieder mal gezeigt, dass man sich mit allen Menschen dieser Welt verstehen kann, und das, obwohl man im Falle von Pakistan wahrscheinlich allein durch den von der Religion stark geprägten Alltag zwei komplett unterschiedliche Leben führt. Flo, unser Kumpel, mit dem wir zeitweise durch Pakistan gereist sind, hat immer gesagt, dass wir Menschen lieben und ihnen eine Menge Vertrauen schenken sollten – und genau das haben uns die Pakistaner wieder ein Stück weit bewiesen.

Wie habt ihr die Unterschiede zwischen der deutschen und der pakistanischen Kultur wahrgenommen? 

Der größte Unterschied zwischen Pakistan und Deutschland liegt unserer Meinung nach in der Beziehung zwischen Mann und Frau. Anne zum Beispiel wurde nie die Hand gegeben von Männern, sie durfte auch nie auf Gruppenfotos mit Männern sein. Das war am Anfang natürlich komisch und auch eine Umstellung. 

Wie seid ihr damit umgegangen?

Wir haben uns recht schnell daran gewöhnt und Anne hat dann einfach die Position der Fotografin eingenommen, das ging auch ganz gut. Gerade die Beziehung zwischen Mann und Frau in Pakistan muss man einfach hinnehmen. Wir reisen ja nicht als Missionare, die die ganze Welt umkrempeln wollen, sondern als neugierige Abenteurer, die in andere Kulturen reinschnuppern möchten.

© Anne Steinbach & Clemens Sehi
© Anne Steinbach & Clemens Sehi

Welche Intention hattet ihr ein Buch über eure Reise durch Pakistan zu schreiben?

Wir sind tatsächlich nicht nach Pakistan gereist, um ein Buch zu schreiben. Wir haben erst am Ende unserer Reise reflektiert und dann gemerkt, dass wir unglaublich viele Geschichten zu erzählen haben, die eigentlich „viel zu schade“ für unseren Blog Travellers Archive sind. 

Unser Buch ist kein Reiseführer, der andere Reisende mit Tipps und Tricks möglichst einfach durch Pakistan schickt. “Backpacking in Pakistan” ist ein Potpourri unserer schönsten Geschichten und Begegnungen aus Pakistan, die den Leser so nicht nur einmal durch das Land führen, sondern ihm und ihr genau zeigen, was das Land so besonders macht – und genau das war vielleicht ein wenig unsere Intention hinter dem Buch. Wir wollen nicht als Aufklärer rüberkommen, sondern viel mehr als zwei Menschen, die ihre Komfortzone verlassen und sich in ein Abenteuer gestürzt haben, um ein Land, das weitgehend unbekannt ist, mit eigenen Augen, Ohren und allen anderen Sinnen zu erleben.

© Anne Steinbach & Clemens Sehi
© Anne Steinbach & Clemens Sehi

Welche Assoziationen fallen euch zu den folgenden Stichpunkten hinsichtlich eurer Reise nach Pakistan ein? 

Geruch: 
Currypulver gemischt mit den Abgasen alter Honda-Motorräder.

Geste
Ein leichtes Senken des Kopfes zur rechten Seite.

Geräusch: 
Der Ruf des Muezzins.

Geschmack
Die Gewürzexplosion vom knallgelben Daal.

Gefühl
Wärme und Herzlichkeit

Bild
Dampfende Kochtöpfe und rauchende Motoren.

Schönster Moment:
Der Sonnenuntergang auf einem Minarett mit Blick über die Altstadt Lahores.

Die Fragen stellte Janna Olson.

© Anne Steinbach & Clemens Sehi
© Anne Steinbach & Clemens Sehi
© Anne Steinbach & Clemens Sehi

Anne & Clemens im Internet:

https://travellersarchive.de/

https://www.facebook.com/travellersarchive/

https://www.instagram.com/travellersarchive/

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