Australien: Good On Ya Mate

Australien

Westaustralien, meine dritte Heimat.

Von Karin Tramp-Lutz.

„Good on ya, mate!“

Ich bin empört! Der sonnenverbrannte, bärtige, zottelhaarige Jüngling im ärmellosen T-Shirt meint doch nicht etwa mich? Eine gut frisierte, gut gekleidete Dame mittleren Alters? Ich bin ein „mate“ – sein „mate“, sein „Kerl“ und „Kumpel“?

Wie man sich doch an so vieles gewöhnt … oder es vielleicht sogar eines Tages sehr gern hat, wenn man es sich eingesteht. Ja, ich gestehe es: Ich bin verliebt in dieses Land und seine Bewohner, und Mate genannt zu werden von einem richtigen Australier, einem Aussie, das empfinde ich nach mehr als 12 Jahren in Australien schon fast als Liebkosung.

Der junge Mann, der mir im Oktober 2001 an einer Tankstelle in Perth, Westaustralien, diese Liebkosung zukommen ließ, bescherte mir meine erste Erfahrung mit Aussie Lingo. Viel mehr sollte folgen, und noch immer bin ich am Lernen.

Die Autorin

Karin Tramp-Lutz, Jahrgang 1953, ist Geschäftsführerin der Periscope Pictures Ltd Pty Filmproduktionsgesellschaft in Perth, Westaustralien, die sie zusammen mit zwei jungen lokalen Filmemachern betreibt. Periscope Pictures stellt hauptsächlich Dokumentationen und Kurzfilme über Australien-spezifische Themen und Menschen her. Karin Tramp-Lutz hat in den letzten Jahrzehnten in Asien und im Mittleren Osten gelebt. Seit 2002 wohnt sie in Mount Helena, Westaustralien. Sie ist Mutter von drei erwachsenen Söhnen.

Karin Tramp-Lutz

Seit Oktober 2001 lebe ich in Perth, einer Millionenstadt im Südwesten des australischen Kontinents, direkt am Indischen Ozean. Perth ist die Hauptstadt von Westaustralien, eines der sechs Staaten und zwei Territorien, die die Federation Australien ausmachen. 2,3 Millionen Einwohner zählt Westaustralien, liebevoll verkürzt von seinen Einwohnern WA genannt, von denen allein 1,7 Millionen in Perth leben. Die restlichen 500.000 Einwohner verteilen sich auf eine Fläche von 2,5 Millionen Quadratkilometer, größer als Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, die Schweiz, Österreich und Polen zusammen! Dimensionen, die man sich als Mitteleuropäer nur schwer vorstellen kann. WA ist für mich einer der schönsten Plätze auf dieser Welt.

Die Weite des Landes mit seinen enormen Wüsten, den größtenteils noch unberührten Gebirgsformationen im Norden, den gigantischen Karri-Bäumen im Süden, den schneeweißen, oft kilometerlangen Sandstränden, der Wildblumenpracht im Frühlingsmonat September, die das Outback in ein einzigartiges Farbenspiel verwandelt, der weltweit teilweise einzigartigen Flora und Fauna. Einfach unschlagbar.

Das Ningaloo Reef, etwa 2.000 Kilometer nördlich von Perth, ist mit seiner unglaublichen Vielfalt an Meerestieren eines der letzten unberührten Riffe der Erde. Von Juni bis Oktober ziehen Buckelwale während ihrer jährlichen Reise aus arktischen Gefilden an der westaustralischen Küste vorbei in Richtung Norden – sie zu sehen rührt mich immer wieder und macht mir bewusst, wie klein und unbedeutend der Mensch doch ist, aber auch, wie verantwortungsbewusst er sein sollte, damit Mensch und Natur in Einklang leben können. Das ist gerade hier besonders wichtig, weil Westaustralien vor allem von seinen Bodenschätzen wie Eisenerz, Uran, Öl und Gas lebt. Eine ständige Herausforderung für Energieunternehmen, Regierung und Umweltschützer ist, dafür zu sorgen, dass das ökologische Gleichgewicht erhalten bleibt.

Australien ist auch ein Kontinent mit hochgiftigen Schlangen, Spinnen und anderem gefährlichen Getier, aber zum Glück begegnet man ihnen sehr selten. Ich teile mein Haus sicherlich mit Dutzenden von giftigen Redback-Spinnen, die im Gebälk des Hauses, in den Dachrinnen, unter den Gartenmöbeln und in der Garage leben. Ich habe mich an den Gedanken gewöhnt, dass sie da sind. Ein kurzer Blick unter den Stuhl oder in den Sonnenschirm auf der Terrasse ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Vor allem im Sommer werde ich relativ häufig fündig, und da hilft dann nur die Fang- und Entsorgungstechnik mittels Glas und Papier. In jedem Frühjahr sonnen sich zwei giftige Dugite-Schlangen nach ihrem langen Winterschlaf auf einem großen Felsbrocken auf meinem Grundstück. Nachdem sie sich einige Tage den lange entbehrten Sonnenstrahlen hingegeben haben, verschwinden sie für die nächsten 12 Monate aus meinem Blickfeld. Ich bin der festen Überzeugung, dass es ihnen in ihrem natürlichen Umfeld viel besser gefällt als unter meinem Sofa im Wohnzimmer …

Australien wie wir es sehen

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Australien, wie wir es sehen – 18 Einheimische, Zugewanderte und Reisende erzählen von ihrem Down Under“, herausgegeben von Erik Lorenz und Thomas Bauer.

  • Drachenmond Verlag
  • 324 Seiten
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Australien wie wir es sehen

Schon über 50, waren mein Mann und ich eigentlich zu alt, um von Australien als Einwanderer akzeptiert zu werden. Und doch, eine gute deutsche Ausbildung zum Ingenieur und die ausgiebige Berufserfahrung meines Mannes machten es möglich. Corporate Sponsorship hieß damals die Zauberformel. Das heißt, dass heimische Firmen bei Mangel an Spezialisten in bestimmten Berufssparten ausländische Fachkräfte anstellen können, egal welchen Alters. Dies geht normalerweise einher mit einer permanenten Aufenthaltsgenehmigung, die auch wir bekommen haben.

Da waren wir also … nicht mehr ganz taufrisch, aber doch noch frisch genug, den ältesten und trockensten Kontinent der Erde zu unserem neuen Zuhause zu machen. Ganz unerfahren waren meine Familie und ich nicht im Erkunden neuer Länder, ihrer Einwohner, Sitten und Gebräuche. Der Beruf meines Mannes hatte uns mehr als 20 Jahre in die verschiedensten Ecken der Welt geführt, von Norwegen über Afrika bis in den Mittleren Osten. In jeder dieser Regionen haben wir uns wohl gefühlt. Dieses Mal sollte Westaustralien Heimat für immer sein.

Ich bin mit Leib und Seele Australierin, wenn auch immer noch nicht auf dem Papier. Das hat mit meiner Einstellung zur konstitutionellen Monarchie zu tun. Sobald Australien sich zu einer Republik bekennt, wird auch mein Reisepass einen Emu und ein Känguru aufweisen. Australien ist aber auch das Land, in dem ich von meinem Mann Abschied nehmen musste. Er ging vor vier Jahren heim in das Regenbogenland, wie es die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, nennen.

Für mich hieß es, eine Entscheidung zu treffen. Sollte ich zurückgehen in mein Geburtsland, zu dem ich nach den vielen Jahren des Globetrotting keine rechte Bindung mehr fühlte? Auch keines meiner Kinder lebt in Deutschland. Ich war also vor die Wahl gestellt: Gehen oder bleiben?

Ich bin geblieben. Australien und meine australischen Freunde haben es mir leicht gemacht. Viele Gesetze hier sind anders als in Deutschland. Die Überschreibung unseres Hauses auf mich zum Beispiel war mit einem Gang zur Gemeinde erledigt. Es gibt keine Erbschaftssteuer in Australien, die Bürokratie erscheint mir hier einfacher und überschaubarer. Meine australischen Freunde mit ihrer unverkrampften Down to Earth-Mentalität waren mir eine emotionale Stütze. Die Entscheidung, in Australien zu bleiben, hatte aber noch einen ganz besonderen Grund: Ich habe mich vor drei Jahren als Filmproduzentin selbständig gemacht. Zusammen mit zwei jungen westaustralischen Filmemachern produziere ich Dokumentationen und Kurzfilme in und über Australien. Wir suchen nach spannenden Menschen und Ereignissen und den Geschichten, die sich dahinter verbergen. 

Meine neue Karriere begann mit einer Zufallsbekanntschaft während eines Baliurlaubs. Bali ist nur knapp dreieinhalb Stunden Flugzeit von Perth entfernt und beliebtes Reiseziel der Westaustralier, es ist sozusagen ihr Mallorca. Ein ZDF-Fernsehteam drehte auf Bali eine Fernsehserie. Sie suchten für ihr nächstes Filmprojekt in Westaustralien einen Local Producer, und ich stellte mich kurzentschlossen zur Verfügung.

Als Local Producer eines Filmprojektes gibt es viel zu organisieren. Das hatte ich in all den Jahren des Umziehens mit meiner Familie von einem Land zum anderen nun wirklich von der Pieke auf gelernt! Die Arbeit als Producer für das deutsche Filmteam in und um Perth war so erfolgreich, dass ich kurzerhand eine Filmfirma gegründet habe. Schon immer hatte ich davon geträumt, Geschichten zu erzählen, und nun, eigentlich schon fast im Pensionsalter, habe ich meinen Traum in meiner Wahlheimat Australien wahrmachen können.

Ich glaube nicht, dass ich diesen ungewöhnlichen Schritt, von Hausfrau und Mutter zur Filmproduzentin, und noch dazu in meinem Alter, in Deutschland gewagt hätte. Ungläubiges und missbilligendes Kopfschütteln von Verwandten, Bekannten und Nachbarn („Das hast du doch noch nie gemacht“, „Das kannst du doch gar nicht“, „Du bist doch viel zu alt dafür“, „Lass bloß die Finger davon“) hätten mich von der Realisierung meiner Idee abgehalten. Genau das Gegenteil habe ich in Australien erlebt: Du hast eine Idee und verwirklichst sie. Basta. Egal, wie es ausgehen mag. Just do it! Die moralische Unterstützung meiner Freunde war hier enorm. „Good on ya mate!“ Da war es wieder, und dieses Mal war ich nicht beleidigt, sondern beflügelt. Ich habe mich einfach getraut. Und einfach ist das Schlüsselwort.

Einfach ist es mir gefallen, weil es in Australien noch eine Art Pioniergeist gibt, eine Entdeckermentalität. Verständlich, wenn man bedenkt, wie jung Australien als Nation ist: gerade mal über 200 Jahre alt. Und es ist immer noch ein Einwanderungsland – und in jüngster Zeit auch das Ziel von Asylbewerbern, der Boatpeople, die aus den Krisengebieten Asiens die Küste von Westaustralien ansteuern, oft in unsicheren Booten und unter dramatischen Umständen.

Die damit einhergehenden Probleme werden vielleicht bald ein Thema in einem meiner nächsten Filmprojekte werden. Zur Zeit sind wir allerdings noch beschäftigt mit einer Dokumentation über einen jungen Westaustralier, einem bekannten Musiker aus der hiesigen Hip Hop Szene. Nach einer unerwarteten Krebsdiagnose hatte Robert Hunter, damals 35 Jahre alt und Vater eines vierjährigen Sohnes, seinem drogen- und alkoholreichen Leben eine dramatische Wendung gegeben, ohne jedoch seine Musik aufzugeben. Bis zu seinem letzten Atemzug hat er mit seiner Musik und für seine Musik gelebt. Robert Hunters Kampf gegen die Krankheit, den er im Oktober 2011 verloren hat, wurde unterstützt und mitgetragen von Tausenden seiner Fans. Robert hat uns erlaubt, ihn in den letzten zwei Jahren seines Lebens mit der Kamera zu begleiten. Sein Tod hinterlässt eine Botschaft für seine große Fangemeinde und seinen Sohn: Musik ja, Drogen und Alkohol nein. Eine starke Botschaft, die hoffentlich Gehör findet.

Ich habe Robert Hunter persönlich kennengelernt und war beeindruckt von seiner Stärke und Gelassenheit, seinem Umgang mit der Krankheit, von seiner Liebe für seine Fangemeinde, seine Mates. In Perth geboren und aufgewachsen, ein Sandgroper, wie die Westaustralier von den anderen australischen Bundesstaaten wegen der vielen endlosen Sandstrände in WA bezeichnet werden, spricht er in einem seiner letzten Interviews über seine Verbundenheit mit Westaustralien, von seiner Liebe zum Indischen Ozean, in dem er so oft gesurft ist, und dem unendlichen, roterdigen australischen Outback. Und immer wieder über seine Mates: wie viel sie ihm bedeuten, wie viel Kraft sie ihm geben. Ein richtiger Tru Blu – ein waschechter Australier. Ich werde ihn und seine Stärke nie vergessen.

Die Filmszene in Westaustralien ist am Kommen. Filmgrößen wie Heath Ledger und Hugh Jackmann sind hier aufgewachsen oder haben in Perth an der West Australian Academy of Performing Arts, WAAPA, studiert. Gerade weil Perth, verglichen mit Sydney oder Melbourne, relativ klein ist, kennt man sich oft persönlich in der westaustralischen Film- und Fernsehwelt, und man unterstützt sich gegenseitig. Es ist eher ein Miteinander als ein Gegeneinander. Ich als Spätanfängerin hinsichtlich meines Alters und als Neuanfängerin hinsichtlich meiner Filmerfahrung habe jede Menge Unterstützung erfahren, sowohl von Menschen als auch von Institutionen.

Meine Wahlheimat Australien ist für mich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten geworden. Die no worries-Mentalität, die manchem auf den ersten Blick oberflächlich erscheinen mag, lässt jede Menge Spielraum für Kreativität und Erfindergeist. Ich erlebe die Australier als offen und flexibel. Noch nicht so eingefahren wie viele und vieles in good old Europe! Das eröffnet Chancen – und ich habe sie ergriffen. Allerdings muss ich zugeben, dass mir die no worries-Mentalität nicht so gut gefällt, wenn ich Handwerker im Haus habe – da lobe ich mir doch die deutsche Gründlichkeit. Aber man kann nicht alles haben.

Ich lebe in Mundaring, einem Ort außerhalb von Perth. Und Mundaring hat natürlich auch einen Pub. Kein australisches Dorf, kein Ort, kein Stadtteil ohne einen Pub! Es gibt australische Outback-Siedlungen, die aus drei Häusern und einem Pub bestehen. Australische Pubs sind etwas ganz Besonderes. Die Möbel, das Inventar, alles wirkt sehr britisch und ziemlich alt. Antik bezeichnen es meine Freunde, wenn es über 50 Jahre alt ist. Wenn man es relativ zum Alter der australischen Nation sieht stimmt es sogar. Jeder Pub hat zwei Bars: eine für die Steh-Trinker, die andere für die sitzenden Gäste. Es gibt eine Menü-Karte für Pub Food, die immer auch einen australischen Hamburger aufweist. Ein original Aussie-Burger muss eine Lage Rote Beete haben! Mein Dorf-Pub serviert seinen Aussie Burger natürlich auch mit Rote Beete-Scheiben, eingebettet in einem Brötchen, zwischen Rindfleisch-Bulette, Unmengen von Tomaten-, Gurken- und Zwiebelscheiben, einem Spiegelei und Salatblättern. Dementsprechend hat der Burger maulsperrenhafte Dimensionen. Vielleicht hat mein Pub gerade deshalb schon mehrere Male den ersten Preis für den besten westaustralischen Country-Pub-Burger gewonnen?

Fast alle australischen Pubs haben einen Pub-Garten, in dem regelmäßig Live-Musik stattfindet. Oft dient der Pub jungen, lokalen Musikern als erster Auftrittsort, in dem sie in vertrauter Umgebung für ihre Fans spielen. An einem der vielen heißen Sommertage mit meinen Freunden in unserem Pub-Garten unter einem schattenspendenden Eukalyptusbaum zu sitzen, ein Glas guten australischen Chardonnay in der Hand, dem Gelächter der Kookaburra-Vögel und der Bush Band zuzuhören … das gehört für mich zu einer der schönsten Erfahrungen in meiner neuen Heimat. Und das Wunderbare ist: Das mediterrane Klima in Westaustralien, unterbrochen durch einen sehr kurzen, milden Winter von Juni bis August, ermöglicht dieses Outdoor Living fast das ganze Jahr hindurch. Sich viel im Freien aufzuhalten, in der Natur, mit der Natur zu sein, gibt mir ein Gefühl von Freiheit und Verbundenheit mit meiner Wahlheimat.

Meine australischen Freunde aus meinem Dorf erfüllen so ziemlich jedes gängige Vorurteil, das ich von Australiern hatte. Sie sind offen, neugierig, hilfsbereit, immer zu einem Spaß aufgelegt, trinkfreudig, lieben ihr Footy im Sommer und ihr Cricket im Winter, fahren fast alle einen Geländewagen, trotzen surfend der heißen Sonne und der ständigen Hai-Gefahr im Meer … und sie lieben ihr Lucky Country über alles. Sie leben mehr in der Gegenwart als in der Vergangenheit, sie versprühen eine gelassene Toleranz. Ich denke manchmal, dass diese Gelassenheit etwas damit zu haben könnte, dass Australien, anders als Europa, keine großen Kriege und deren Auswirkungen erlebt hat.

Einmal im Leben nach Europa reisen, das ist ein Traum vieler meiner Freunde hier. Für den überwiegenden Teil der Australier ist Europa der Kontinent ihrer Vorfahren. Als mein Mann und ich 1995 zum ersten Mal im Urlaub in Australien waren, fiel mir ein Phänomen auf: Fast jedem Australier, dem wir begegneten, schlugen zwei Herzen in der Brust. Der Kellner in einem Resort in Queensland hörte sofort, dass wir Deutsche waren. „My grandparents are German, where are you from?“, war seine erste Frage an uns. Und so erlebten wir es überall. „Meine Vorfahren sind aus Italien“, „Meine Eltern stammen aus Griechenland“, „Mein Stammbaum ist irisch“. Sie waren alle stolz auf ihre Abstammung, ihre Wurzeln. Und gleichzeitig waren sie stolz, Australier zu sein. Es war, als hätten sie zwei Identitäten. Das hat sich in den letzten Jahren verändert. Man ist einfach Australier. Es hat sich eine eigene Identität, ein Selbstbewusstsein entwickelt. Klar, man kennt seine Wurzeln, und man möchte wohl auch einmal nach Europa. Aber Australien ist Heimat, im Herzen und im Kopf. Verändert hat sich auch die Zusammensetzung der australischen Bevölkerung. Vor 20 Jahren noch waren Asiaten eine verschwindende Minderheit. Das ist jetzt anders. Auch in meinem Heimatort leben Australier asiatischer Abstammung, harmonisch integriert.

Geografisch gesehen befindet sich Australien in Asien. Nicht umsonst heißt diese Region der Welt Australasien. Asiatische Australier haben es nicht weit, wenn sie in das Land ihrer Vorfahren reisen wollen.

Im westaustralischen Winter kann man allerdings einen gut sichtbaren Unterschied zwischen alteingesessenen europäischen Australiern und ihren Landsleuten asiatischer Herkunft beobachten, der mich jedes Jahr aufs Neue amüsiert. Während der asiatische Australier bei winterlichen Tagestemperaturen von 16 Grad in dicken Jacken, langen Hosen, teilweise sogar in Stiefeln und mit Mütze auf dem Kopf herumläuft – ich übrigens auch! – lässt sich ein alteingesessener Aussie die Kälte nicht anmerken und trägt, wie das ganze Jahr über, T-Shirt, Shorts und Gummilatschen. Gerade kürzlich im Supermarkt war es wieder zu beobachten: Ein dick eingemummtes asiatisches Kleinkind in Filzstiefeln und ein barfüßiger, blondlockiger Bube in kurzen Hosen und T-Shirt standen einträchtig nebeneinander. Für mich ein Symbol der Unterschiedlichkeit, der Vielfältigkeit und doch der Einheitlichkeit der Australier.

Jeden zweiten Freitag sitze ich mit meinen Mates Warren, Jeremy, Gary, Chez, Belinda, Patrick, Christine und Hazel zusammen in unserem Dorf-Pub. Wir erörtern den neuesten Dorfklatsch, schimpfen über die Regierung, machen anzügliche Bemerkungen über die leichtgekleideten Bar-Mädels und süffeln so nach und nach unsere Stubbies – ein kleines Bier.

An eine Eigenart meiner Freunde musste ich mich schnell gewöhnen, und es ist eine Eigenart des Australiers schlechthin: Sie lieben Abkürzungen! Eine Masche, die sie hegen und pflegen und ständig ausbauen. Ein Geschenk (Present) ist ein Pressie, Gemüse (vegetables) sind Veggies. Selbst das Dankesagen (Thank you) wird auf Ta gekürzt! Wenn es der Verkehr erlaubt, wird ab und zu ein – zugegebenermaßen unerlaubter – rasanter Richtungswechsel (U-Turn) auf der Straße gemacht, ein sogenannter U-ie! Ein unentbehrliches Fahrzeug mit einer offenen Ladefläche, angeblich von einem Australier erfunden, ist ein Ute (spricht sich wie Jut). Nicht der Frauenname hat diesem sehr beliebten Gefährt seine Bezeichnung gegeben, sie leitet sich stattdessen ab von Utility-Car, was so viel wie Nutzfahrzeug bedeutet. Die Liebe der Australier zu ihrem Ute geht so weit, dass sie nicht nur regelmäßige Schönheitswettbewerbe um ihre Utes abhalten, es gibt auch ein monatlich erscheinendes Ute-Magazin. Als vor einiger Zeit die deutsche Künstlerin Ute Lempert in Perth gastierte, wurde ihre Bemerkung „Wow, ihr habt sogar ein Magazin nach mir benannt“ mit großem Gelächter und Applaus aufgenommen.

Die Vorliebe für Abkürzungen macht auch vor Namen nicht halt. Unter meinen Freunden ist es ungeschriebenes Gesetz, dass niemand den anderen beim vollen Namen nennt. Meine Freundin Belinda wird zur Lin oder zu Be. Jeremy wird zu Jer, Patrick zu Pad. Geht ein Name nicht zu kürzen oder sticht meine Freunde mal wieder der Hafer, dann wird aus Warren Wazzy, aus Gary Gazzy. Und lässt sich ein Name weder ordentlich kürzen noch verniedlichen, selbst dann geben meine Freunde nicht auf und lassen sich was einfallen. Reimen ist sehr beliebt. Der Pubwirt mit Namen Harry wird zu Larry. Meine Freundin Chris zu Miss. Chez zu Dez. Ich bin jedes Mal aufs Neue beeindruckt von der Kreativität meiner Freunde. Und es ist durchaus möglich, dass aus Harry/Larry beim nächsten Treffen ein Gerry wird. Für mich ziemlich verwirrend, aber das Erstaunlichste ist, dass jeder weiß, wer gemeint ist! Ganz Einfallslose – und die gibt es vereinzelt auch – nennen einen Mann Bruce und eine Frau Sheila. Ich habe bisher noch nicht herausgefunden, ob diese beiden generischen Namensgebungen nett gemeint sind oder nicht. Irgendwie bin ich aber doch froh, dass meine Freunde mich bei meinem richtigen, vollen Namen nennen, wohl aus Respekt, dass ich (noch) nicht Tru Blu bin. So ist das eben. Fair Dinkum.

Und immer wieder staune ich, wie vielseitig, flexibel und unternehmungslustig die Australier sind. Das fängt bei ihrem Zuhause an. Meine Freundin Helen ist ein typisches Beispiel. Ich habe nicht nur ihre vier Kinder großwerden sehen, sondern auch ihre vier Umzüge miterlebt. Nicht, dass Helen umziehen musste … sie wollte einfach was anderes sehen, neue Nachbarn haben, einen neuen Garten anlegen. Momentan ist sie dabei, ihren fünften Umzug zu organisieren. Helens Mutter ist ihr aber um Längen voraus: In den vergangenen Jahren sind ihr Mann und sie vom australischen Outback in die Innenstadt von Perth gezogen. Dort haben sie in zwei verschiedenen Stadtteilen gewohnt, danach wollten sie einmal in den Hügeln von Perth leben. Zwischendurch zog es sie an die Ostküste, nach Cairns in Queensland. Nachdem sie feststellten, dass es ihnen dort zu feucht und schwül war, sind sie vor kurzem wieder in Westaustralien gelandet. Diesmal haben sie sich wieder in der Außenregion von Perth angesiedelt, inmitten eines riesigen Orangenhains. Alles nichts Ungewöhnliches für eine australische Familie. Ein Haus wird nicht, wie bei Mitteleuropäern, für ein ganzes Leben gebaut oder gekauft.

Diese Abenteuer- und Entdeckerlust scheint auch auf meine Freunde Sam und Carry zuzutreffen, ein ganz normales Ehepaar mit schulpflichtigen Kindern, und natürlich sind auch sie schon Dutzende Male umgezogen. Sam hat kürzlich ein ganz heißes Thema in unsere freitägliche Pub-Runde geworfen: Auf einer seiner beruflichen Exkursionen – Sam ist Vermessungsingenieur – hat er eine stillgelegte Goldmine entdeckt. Angeblich hat er unter seinen Füßen gespürt, dass es dort noch Gold gibt. Und nun ist Sam Feuer und Flamme und möchte Goldgräber werden, mit allem, was dazugehört. Die Genehmigung der Behörde zum Gold Digging ist beantragt, und er und Carry planen schon den Umzug ins Outback, mit einem großen Wohnmobil. Carry wird die Kinder per Home-Schooling unterrichten. Das Internet macht es möglich! Dass die stillgelegte Mine über eine nur selten funktionierende Elektrizitätsversorgung und keine städtische Wasserleitung verfügt, hält sie nicht ab von ihrem abenteuerlichen Vorhaben. Dann wird eben improvisiert: Regenwassertank und ein Generator müssen her, und da das Glück ja sozusagen unter ihren Füßen liegt, ist es sowieso nur eine Frage der Zeit, bis sie schwerreich wieder in die Zivilisation zurückkehren. Sam, dessen Wurzeln in Italien liegen, ist dem Goldrausch verfallen … wie einst sein Urgroßvater. Und ich muss gestehen, ich bin dabei, mich von ihm anstecken zu lassen!

Mein Freund Warren ist gerade 40 Jahre alt geworden und noch Single. Wir ständig bemüht, ihm eine Sheila zu vermitteln. Bisher hat es noch nicht geklappt. Er ist ganz besonders stolz auf seinen englischen Urgroßvater, der als Strafgefangener in die damalige australische Strafkolonie verbannt wurde. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe war er einer der ersten Europäer, die das weiße Australien mit aufgebaut haben.

Warren ist ein strenger Freund, jedenfalls wenn er versucht, mir perfektes Aussie-Lingo beizubringen – eine ganz besondere Art der Kommunikation zwischen richtigen Australiern. Vor kurzem hat er mir ein Australien-Slang-Buch geschenkt. Jeden zweiten Freitag muss ich mich nun einem Aussie-Lingo-Test unterziehen. Meistens bestehe ich. So habe ich etwa gelernt, dass ein Lecki oder Sparkie ein Elektriker ist. Kleine Kinder werden zu Little Vegemites. Vegemites ist der nationale Brotaufstrich der Australier, eine Art Hefe-Paste, enorm beliebt bei Alt und Jung. Kein richtiger Aussie ohne Vegemite! Meine Fantasie eines heißblütigen Australiers mit Namen Hottie wurde enttäuscht – ein Hottie ist eine Wärmflasche. Wenn es heißt „Karin, carry the mail“, weiß ich, dass ich mit einer Pub-Runde dran bin. Am besten gefällt mir Brain Bucket. Das ist ein Fahrradhelm. Das Tragen eines Gehirneimers beim Fahrradfahren ist in Australien Pflicht. Wer hart arbeitet, kann sich als flat out as a lizard bezeichnen. Happy as a possum up a gum tree ist auch einer meiner liebsten Ausdrücke, weil er besagt, dass man sehr glücklich ist. Und er macht Sinn, da das putzige Possum, ein kleines australisches Beuteltier, das seine Behausung oft in Bäumen hat, immer einen sehr entspannten Ausdruck im Gesicht trägt. Ist ein leichter Rassismus zu erkennen in He has a Japanese bladder, was meint, dass jemand häufig zur Toilette läuft? Der Ausdruck to yodel für sich übergeben wird einem echten Bayer nicht so gut gefallen. Mich als Norddeutsche tangiert es weniger …

Wenn meine Freunde so richtig in ihrem allerbesten Aussie-Slang loslegen, bin ich verloren. Aber ich höre gespannt zu und lerne. Es fasziniert mich. Für mich lassen diese Wortspiele, die so viel Australisches beinhalten, eine tiefe Liebe und Stolz zu ihrem Land erkennen. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass bei mir, als Deutsche kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges geboren, ein wenig Wehmut aufkommt, fast schon Eifersucht, auf diesen ausgeprägten Nationalstolz der Australier.

Ein Wiegenlied summend, ab und zu unterbrochen von zärtlich geflüsterten Worten – „Nun komm schon, schlaf nicht ein“ – so habe ich John kennengelernt. Er saß mir gegenüber in einem Café – im Freien, an einem Tag im Februar, dem heißesten Monat im Jahr mit Temperaturen um die 38 Grad. Und nein, die Worte galten nicht mir, sondern seinem Baby: ein Joey, das John in einer Babyschlinge auf seinem Schoß liegen hatte und das er liebevoll mit einer Milchflasche fütterte. Joeys sind Baby-Kängurus. Leider werden Kängurus oft angefahren, vor allem im Outback, und bleiben verletzt oder tot am Straßenrand liegen. Ein Joey ernährt sich sehr lange im Beutel der Mutter. Kein Jung-Känguru würde ohne menschliche Hilfe überleben, wenn das Muttertier stirbt. Wird ein Joey gefunden, das seine Mutter verloren hat, gibt es viele Menschen, die sich dieser verwaisten Kängurus annehmen, sie monatelang per Hand aufpäppeln und sie so oft wie möglich an ihrem Körper tragen, um ihnen ein Beutel-Gefühl zu geben. Fast alle diese Tierliebhaber sind Freiwillige und kümmern sich in ihrer Freizeit um verletzte und verwaiste Wildtiere. Sie sind auf Spenden angewiesen. Und die Australier spenden gerne. Egal ob für Joeys, Dürrekatastrophen irgendwo auf der Welt, Überschwemmungsopfer oder Blindenhunde. Das liebe und bewundere ich an meinen Fast-Landsleuten: ihre Bereitschaft zu geben, ohne groß zu fragen. Auch das hat sicherlich seinen Ursprung in der Nachbarschaftshilfe, auf die man in den Besiedlungsjahren so sehr angewiesen war. Australien ist eine junge Nation. Bei dem hohen westlichen Lebensstandard wird das leicht übersehen. Umso schöner, dass diese Helfen-Wollen-Können-Bereitschaft heute immer noch vorhanden ist.

John und sein Baby-Känguru im Café: Diesen Anblick werde ich nie vergessen. Da saß dieser typische Outback-Australier: lange Haare, Bart, sonnengegerbte Haut, sein Baby mit dem Milchfläschchen fütternd. Keiner außer mir im Café fand das ungewöhnlich. Ich konnte mir nicht verkneifen, diesen Herrn anzusprechen. Auch er ist einer der vielen Freiwilligen, die sich um kranke und verlassene Tiere kümmern. Ich erfuhr auch, dass John Klimaanlagen-Mechaniker im Ein-Mann-Betrieb ist. Und da meine Klimaanlage fällig für eine Inspektion war, habe ich ihn gleich angeheuert. So nach und nach habe ich von ihm erfahren, dass Klimaanlagen-Handwerker nicht sein einziger Beruf ist. Er hat vorher als Brikkie (Maurer), als Buchhalter, als Busfahrer, als Klempner und als Gartengestalter gearbeitet. Für all diese Berufe hat er eine Ausbildung, besser gesagt ein Zertifikat. Eine Ausbildung bei TAFE – eine Art Volkshochschule in Australien – über einige Wochen oder Monate macht es möglich. Geringe Schulgebühren und ein Interesse an dem zu lernenden Beruf sind gute Voraussetzungen für diese berufliche Vielfältigkeit. Nicht immer geht das einher mit Qualität. Momentan ist John also Klimaanlagen-Mechaniker, und ein guter dazu. Wer weiß, wie lange? Und er ist ein Joey-Papa. „Good on ya mate“, kann ich da nur sagen. Und Hut ab.

Meine Freundin Aby ist eine ganz besondere Frau. Sie ist Aborigine und eine erfolgreiche Künstlerin. Aby ist ein Kind der Stolen Generation, der Generation von Kindern, die in den 50er und 60er Jahren vom australischen Staat ihren Aborigines-Eltern weggenommen wurden, um ihnen eine ordentliche – sprich westliche – Ausbildung zu geben. Ja, Lesen, Schreiben, Rechnen und noch mehr hat Aby gelernt in dem Kloster in New Norcia im Hinterland von Perth, in dem sie aufgezogen wurde. Aber der Schmerz und die Trauer um den Verlust der Eltern und der Heimat sind geblieben. Aby hat Glück, sie kann ihre Emotionen in ihren Bildern verarbeiten. Sie ist nicht bitter, wie viele ihrer Freunde und Verwandten.

Seit im Jahr 2007 der damalige australische Premierminister Kevin Rudd endlich die lange geforderte, lange verweigerte Entschuldigung gegenüber der Stolen Generation aussprach, ist eine wichtige psychische Barriere gefallen. Langsam aber stetig findet eine Annäherung statt zwischen den weißen Australiern und den Ureinwohnern, die Terra Australis seit über 60.000 Jahren bewohnen. Aby erlebte es persönlich, wie sehr ihr die Worte von Kevin Rudd „We are sorry“ geholfen haben. Gemeinsam mit Freundinnen, die eine Heritage Cultural Tour für Einheimische und Touristen anbieten, fährt Aby oft mit Interessierten zu ihrem Kloster, das lange Heim und Arbeitsstätte für sie war, um zu erklären, aufzuklären, zu vermitteln. Immer wieder betont sie, dass beide Seiten sich verständnisvoll und offen aufeinander zubewegen müssen, damit es zu einer Aussöhnung zwischen den weißen Siedlern und den Ureinwohnern Australiens kommen kann.

Meine australischen Freunde sind allesamt potenzielle Protagonisten für eines meiner nächsten Filmprojekte. Zum Glück wissen sie noch nichts davon! Jeder hat seine eigene, junge Herkunftsgeschichte, jeder entspricht einem oder sogar mehreren australischen Klischees. Und doch sind sie klischeefrei, weil sie einfach so sind, wie sie sind. Ich könnte mir keine besseren Mates wünschen.

Westaustralien ist eine Heimat geworden, die ich mir aussuchen durfte.

Ich bin 1953 in Ückermünde in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Im April 1961, kurz vor dem Berliner Mauerbau, waren meine Eltern mutig genug, unter dramatischen Umständen aus einem einengenden kommunistischen Deutschland in ein freiheitlich demokratisches Deutschland zu fliehen. Ich war alt genug, um mitzuerleben, wie mein Vater ständig von den SED-Funktionären drangsaliert und schikaniert wurde, weil er sich weigerte, ihre Unwahrheiten anzunehmen und weiterzugeben. Wie meine Eltern abends mit dem Ohr am Radio saßen, damit die Nachbarn nicht hörten, dass sie einem Westsender lauschten. Die Heimlichkeiten, die Heucheleien, das Misstrauen den Nachbarn, den Freunden, ja sogar den Verwandten gegenüber: Ich habe sie bewusst erlebt und damals nicht verstanden, warum sie mir Unbehagen verursachten.

Der Neuanfang in der Bundesrepublik war schwer. Über Nacht hatten wir alles verloren – Hab und Gut, die Heimat. Lageraufenthalte, viele Umzüge, Schulwechsel und der Stempel von Ostzonenflüchtlingen begleiteten uns nach der Flucht. Meiner Familie haftete noch ein besonderes Stigma an: Mein Vater war in der DDR zu einer Gefängnisstrafe wegen versuchter Republikflucht verurteilt worden. Schon 1959 hatten meine Eltern versucht, von Ost- nach Westdeutschland zu fliehen. Dieser Versuch war in letzter Sekunde durch einen Freund meiner Eltern verraten worden. Ein Freund, der sich später als ein Stasi-Spitzel herausstellen sollte. Dass meine Eltern die Flucht sofort nach der Haftentlassung meines Vaters erneut gewagt haben, für diesen Mut bewundere ich sie und bin ihnen unendlich dankbar. Mit viel Fleiß, Mut und Ausdauer gelang es meiner Familie, sich in dem anderen Deutschland, in einer Demokratie, ein neues Leben aufzubauen. Meine zweite Heimat nach der Flucht aus der DDR wurde Hannover in Niedersachsen.

Ich lebe sehr bewusst in meiner Wahlheimat Australien. Über 50 Jahre nach der Flucht aus der DDR habe ich in Australien dasselbe Gefühl wie 1961 in Westdeutschland: Es ist ein Neubeginn in einem freien und offenen Gesellschaftssystem mit all seinen Rechten, Freiheiten und Pflichten, die durch die Staatsform der Demokratie garantiert werden. Ein Leben in geistiger Freiheit. Für mich ist Westaustralien das Land der ganz persönlichen Entdeckung geworden, das mir die Möglichkeit gegeben hat, Dinge zu tun, die mir zuvor unerreichbar erschienen.

Westaustralien ist zu meiner dritten Heimat geworden.

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