Cabaña, Car Wash und Schamane – Das “echte Leben” in der Dominikanischen Republik

Dass die Dominikanische Republik weit mehr als Sonne satt, Palmen und Traumstrände zu bieten hat, zeigt sich bei einer kurzweiligen Landpartie durch das Hinterland der Karibikinsel.

Von Karsten-Thilo Raab.

Drei große Leidenschaft teilen die Männer in der Dominikanischen Republik: Tanzen, Autos und „Schnackseln“. Okay, dass Männern in der Karibik ein gewisser Rhythmus im Blut liegt, überrascht wenig. Eher schon die Liebe zum Auto, zumal große Teile der Bevölkerung sich keinen fahrbaren Untersatz leisten können. Doch diejenigen, die genügend Kleingeld in der Tasche haben, pflegen ihr Vehikel wie ein Baby. Oder besser gesagt, lassen pflegen. Denn die Autowäsche ist in der DomRep ein unverzichtbarer Teil der Alltagskultur.

„Mindestens einmal pro Woche lassen die Besitzer ihre Autos innen und außen per Hand reinigen“, weiß Norbert Edrich zu berichten, während er von Punta Cana aus durch das Hinterland führt. Der Reiseführer aus der Pfalz lebt seit mittlerweile 16 Jahren in diesem Teil der Karibik und kennt entsprechend Land und Leute. Mit umgerechnet rund 4,50 Euro schlägt, so Edrich, das „putzige Vergnügen“ zu Buche. Doch dies sind nicht die einzigen Kosten, die mit dem Besuch der Waschanlage verbunden sind.

Ein „Car Wash“ in dem Karibikstaat ist in der Regel verbunden mit einer Mischung aus Kneipe, Partyschuppen und Friseur. Nicht selten bieten auf den Autohöfen zudem leichte Damen ihre Liebesdienste an. An jedem Waschplatz finden sich dazu ein paar mehr oder weniger diskrete Zimmer. Während der etwa einstündigen KFZ-Reinigung verlustieren sich die Autobesitzer daher beim Tanzen, Billardspiel und Biertrinken oder auch mal mit den Animierdamen.

“Viele Frauen begleiten ihre Männer sicherheitshalber zur Autowäsche, damit sie nicht in Versuchung geführt werden“, ergänzt Edrich, um gleich auf weitere Besonderheit im (Straßen-) Verkehr der DomRep zu sprechen zu kommen. In den zurückliegenden Jahren wurde, so der 63-jährige weiter, viel in die Infrastruktur investiert. Das Straßennetz werde zunehmend optimiert. Eine kostenlose Pannenhilfe soll sicherstellen, dass niemand mehr mit plattem Reifen oder leerem Tank in der Mitte vom Nichts liegen bleibt.

Falls doch, gibt es in dem Inselreich einen besonderen Ersatz für die meist nicht vorhandenen Warndreiecke. Um auf Pannen- oder Unfallfahrzeuge hinzuweisen, wird einige Meter vor und hinter dem liegen geblieben Fahrzeug schlicht ein Ast, der schnell an einem Baum abgebrochen wird, auf die Straße gelegt.

Eine weitere Besonderheit auf den Straßen sind die Motoconchos. Dahinter verbergen sich Motorradfahrer, die eine Art Taxidienst unterhalten. Einige legal, die meisten illegal. Die Zweiräder warten an Straßenecken oder stoppen neben Passanten und bieten ihnen gegen ein kleines Entgelt eine Mitfahrgelegenheit an. Wobei der Preis Verhandlungssache ist. 

“Der Dominikaner arbeitet, um zu leben. Wenn es zum Auto reicht – gut. Wenn nicht, ist es auch gut“, betont Edrich, dass in seiner Wahlheimat nur die wenigsten ernsthaft Karrierepläne verfolgen würden. Typisch für die karibische Lebensart sei auch, dass viele nicht genau wissen, wie alt sie sind. Lange Jahre wurden Geburten nicht behördlich erfasst. Die meisten Kinder erblickten zu Hause das Licht der Welt. Oft weit weg vom nächsten Rathaus.

“Da sah niemand die Notwendigkeit, nur wegen eines neuen Erdenbürgers in die Amtsstube zu reisen“, erzählt Edrich, wohl wissend, dass hier nach und nach ein Umdenken einsetzt. Mittlerweile erblicken die meisten Dominikaner in einem Krankenhaus das Licht der Welt und werden dort auch gleich registriert.

“Wir haben hier zwar modernste Technik und doch hinken wir der westlichen Welt um 30, 40 Jahre hinterher.“ Edrich macht keinen Hehl daraus, dass die Dominikanische Republik noch immer ein Entwicklungsland sei. Ein Land, dessen Wohl und Wehe ganz entscheidend auch vom Tourismus abhängt. Längst sind die Hotels zu den wichtigsten Arbeitgebern des Landes geworden.

Während es in den Luxusherbergen an nichts mangelt, leben die Menschen – wie sich rund um den Wallfahrtsort Higüey mit der weithin sichtbaren Basilika Nuestra Señora de la Altagracia zeigt – in sehr bescheidenen Verhältnissen. Die Häuser sind vielfach überaus einfach. Bessere Holzverschläge mit Wellblechdach – gerne in grellen Farben.

Auch essenstechnisch ist die Landbevölkerung nicht gerade verwöhnt. Eine Mahlzeit besteht vielfach schlicht aus Reis mit Bohnen. Fleisch steht bei vielen nur an besonderen Tagen und dann in kleinen Mengen auf dem Speiseplan.

“An einem halben Hähnchen essen vier Mann zwei Tage“, sagt Edrich und erzählt, dass seine Landsleute auch ein anderes Einkaufsverhalten an den Tag legen. Der Dominikaner kaufe fast täglich, dafür aber in winzig kleinen Mengen ein. Eine Möhre, eine Tomate, eine Handvoll Reis. Bei Bedarf wird das Ganze sogar mit dem Motorrad frei Haus geliefert.

Geld geben die Dominikaner aber gerne für andere Dinge aus – für Autos und für Wetten bei Hahnenkämpfen. Diese sind Kult. Die meisten (organisierten) Kämpfe steigen sonntags und werden sogar zum Teil im Fernsehen live übertragen. Viel Geld lassen die Insulaner auch in den Cabañas. Diese besondere Form von Stundenhotels gibt es an jedem Stadt- und Ortsrand und in jeder Ausstattung.

“Dominikaner schnackseln einfach gerne – und nicht nur mit dem jeweiligen Lebenspartner“, so Edrich mit Blick auf die mietbaren “Liebeshöhlen“. Die Etablissements sind keine Bordelle. Gleichwohl geht es in den Betten hoch her.

Der Besuch einer Cabaña beginnt mit der Fahrt in eine offene Garage. Per Knopfdruck lässt sich diese schließen. Die Liebeshungrigen verschwinden dann völlig ungesehen in ein an den Einstellplatz angrenzendes Zimmer mit Bad und Bett, manchmal auch mit Whirlpool. Über eine Sprechanlage oder ein Display können Getränke, Speisen, Videos und auch Sexspielzeuge geordert werden. Diese werden dann diskret durch eine Drehtür ins Zimmer geschoben. Alles bleibt anonym. 

“Auf dem Land leben die Menschen oft auf engem Raum zusammen, teilen sich mit anderen Familienmitgliedern das Bett“, sagt Edrich und zeigt volles Verständnis für den Wunsch vieler nach einem ungestörten Schäferstündchen. Vier Stunden kosten je nach Ausstattung der Cabaña umgerechnet 25 bis 30 Euro. Daher nutzen viele Reisende die Zimmer gerne auch als preiswerte Übernachtungsalternative.

“Die DomRep ist wie bei einem Computerspiel. Man kann immer wieder zwischen verschiedenen Welten hin und her wechseln“, führt Edrich fort, während der Minibus in ein rund 70 Quadratkilometer großes Zuckerrohr-Anbaugebiet mit über 1.000 Verladestationen einbiegt. Rund 2.000 Menschen leben in dem riesigen Areal in speziellen Siedlungen, die Batey genannt werden. Die meisten kommen aus dem benachbarten Haiti, wo die Lebensbedingungen noch um einiges schlechter sind.

In einer schlichten Holzhütte mit schummerigen Licht folgt der Höhepunkt der Landpartie durch den Karibikstaat: Rund zwei Dutzend einfache Schemel stehen hier rum. Die Wände zieren Bilder von Heiligen. Ein Stuhl mit Lehne steht an einem Ende des Raums. Auf dem Boden davor finden sich einige merkwürdige Zeichen, die mit Kreide aufgetragen wurden. Im Raum herrscht aufgeregtes Geschnatter. Dann schiebt sich ein Vorhang zur Seite und ein großer, dunkelhäutiger Mann mit grauem Hemd, grauer Hose, langem schwarzen Mantel und Strohhut mit schwarzem Kopftuch darunter betritt den Raum. Es ist Edward. Der 32-jährige Vater von drei Kindern ist der Schamane des Bateys. Er ist Heiler, Bürgermeister, Schlichter und oberster Richter in Personalunion.

“Das hier ist keine Show, sondern echter Voodoo“, so Edrich, der den Schamanen zur Begrüßung eine Flasche Cleren, einen Zuckerrohrschnaps mit bis zu 80 Prozent Alkohol, überreicht. Begleitet von den Klängen dreier Trommler demonstriert Edward, der sich selber auch in Trance versetzen kann, seine Stärke und Unverwundbarkeit. Er läuft durch Feuer und Scherben, lässt sich von mehreren Gästen ein spitzes Schwert in den Bauch drücken. Mit einer brennenden Kerze zwischen den Zehen reibt er anschließend allen Besuchern über Kreuz die Arme ein und versieht deren Handgelenke mit einem bunten Bändchen mit schwarzen Kugeln daran.

“Jedes Bändchen ist mit bestimmten Wünschen für jeden einzelnen verbunden“, versichert Edrich, ohne konkreter werden zu können. Und so bleiben der Voodoo-Zauber und der Schamanenbesuch ein rätselhafter Ausflug in eine andere Welt. Eine Welt, die irgendwie auch ein typischer Teil der Dominikanischen Republik ist, aber denjenigen, die sich nur am Strand rumrekeln, leider, leider verborgen bleibt.

Informationen: Fremdenverkehrsamt der Dominikanischen Republik, Hochstraße 54, 60313 Frankfurt, Telefon: 069/91397878, www.godominicanrepublic.com

Lage: Hispaniola ist nach Kuba die zweitgrößte Insel in der Karibik. Rund zwei Drittel der Inselfläche gehört zur Dominikanischen Republik. Im westlichen Teil befindet sich Haiti. Die Dominikanische Republik ist flächenmäßig etwa so groß wie die Schweiz und zählt rund 10 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt ist Santo Domingo de Guzmán.

Anreise: Die Lufthansa bietet von allen größeren Flughäfen in Deutschland, aber auch aus Wien und Zürich, via Düsseldorf Flüge nach Punta Cana an. Die Flugzeit beträgt auf dem Hinweg rund neuneinhalb Stunden, zurück achteinhalb. Auch Condor fliegt mehrmals wöchentlich in die DomRep.

Einreise: Für die Einreise genügt ein gültiger Reisepass. Bei der Einreise muss für zehn Euro eine Touristenkarte für 30 Tage gekauft werden.

Zeitunterschied: Im Winter minus fünf Stunden, im Sommer minus sechs Stunden.

Klima: In der Dominikanischen Republik herrscht das ganze Jahr über ein warmes tropisches Klima mit Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius.

Währung: Zahlungsmittel ist der Peso Dominicano (DOP). Ein Peso entspricht etwa 0,01 Euro; ein Euro etwa 50 Pesos. US-Dollar werden überall akzeptiert, häufig auch Euro.

Sprache: Landessprache ist Spanisch. In touristischen Einrichtungen wird eigentlich immer Englisch, oft auch Deutsch gesprochen.

Gesundheit: Keine Impfungen vorgeschrieben. Dennoch empfehlen sich die Standard-Impfungen etwa gegen Tetanus, Polio und Diphtherie. Um Durchfall-Erkrankungen vorzubeugen, sollte nur (Mineral-) Wasser aus Flaschen getrunken werden.

Sehenswert: Higüey, die Hauptstadt der Provinz La Altagracia und einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte in der Karibik. Die Stadt wurde schon 1494 gegründet. Zu den Sehenswürdigkeiten gehört die am 21. Januar 1971 geweihte Basilika Nuestra Señora de la Altagracia.

Ausflug: Die Landpartie mit Norbert Edrich, “Island Explorer“ genannt, kostet 99 US-Dollar pro Person inklusive Abholservice vom Hotel und Mittagsessen. Neben einem Besuch in Higüey gehören ein Abstecher auf eine Kakao- und Kaffeeplantage, eine Fahrt auf dem Bocca Yuma Fluss und der Besuch des Schamanen zum Programm. Buchbar ist das Ganze im Voraus über FTI in Deutschland (Telefon 089/710451498, www.fti.de) oder auch vor Ort unter Telefon 00/180/98316041.

Essen & Trinken: In einfachen Restaurants auf dem Land lässt sich schon für umgerechnet zwei bis drei Euro gut essen. Beliebt ist beispielsweise Mofongo, eine Art Kloß aus Kochbananen, der häufig mit Rind oder Shrimps serviert wird. An Straßenständen wird häufig Queso de hoja angeboten. Der Kuhmilchkäse erinnert an eine Mischung aus Mozarella und Halumi.

Übernachten: Royal Suites Turquesa, Avda. Francia s/n, Playas de Bavaro Higuey, Punta Cana 23000, Dominikanische Republik, Telefon 001/80/9/2218149. Direkt am Strand gelegenes Adults-only Fünf-Sterne-Haus. FTI bietet zwei Wochen im Royal Suites Turquesa mit All-Inclusive-Verpflegung und Flug ab 1.912 Euro pro Person an; ohne Flug ab 1.232 Euro.

Grand Palladium Punta Cana Resort & Spa, Bavaro, Punta Cana 23000, Dominikanische Republik, Telefon 001/80/9/2210719. www.palladiumhotelgroup.com/de. All-Inclusive-Resort direkt am Strand mit großer Poollandschaft.

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