Fotoreportage: Mosambik, Maputo und Mafalala

Maputo

Von Dennis Wehrmann.

Eine Woche vor Weihnachten 2016 stand ich auf dem Helmut-Schmidt-Flughafen in Hamburg und wartete auf meine Maschine, die mich – über Istanbul und Johannesburg – bis nach Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, bringen sollte. 18 Stunden Reisezeit und einmal um den halben Globus…

Mafalala-01

Ich war sehr gespannt auf Maputo, insbesondere da ich im vorherigen September bereits drei Wochen in Südafrika in der Krügerregion auf Selbstfahrerreise unterwegs gewesen war und plötzlich vor einem Schild – „Maputo links abbiegen, 150 km“ – gestanden hatte. Irgendwie ist die Welt dann doch wieder ein Dorf!

Am Flughafen holte mich eine Arbeitskollegin ab. Sie pries den Aeroporto Internacional de Maputo als den einzigen Flecken Mosambiks, der sie nicht daran erinnere in einem Entwicklungsland zu leben – ansonsten herrsche Chaos…

Natürlich hat Sie Recht: Mosambik ist immer noch eines der ärmsten und korruptesten Länder der Welt. Dennoch ist es politisch halbwegs stabil. Offiziell als Republik deklariert, handelt es sich in der Realität eher um eine exzessive Vetternwirtschaft. Aber das muss ja per se nicht immer die schlechtestes Variante sein.

Afrika fasziniert mich nunmehr schon seit Jahren, und so auch Mosambik. Es ist anders als Namibia, Botswana und Südafrika, fühlt sich noch echter an. Möchtet ihr dieses sehenswerte Land mit den wohl mit Abstand schönsten Stränden ganz Afrikas selbst bereisen, solltet ihr euch vorher unbedingt ausreichend informieren.

Maputo ist eine Perle, die bis jetzt weitestgehend touristisch unerschlossen geblieben ist und neben traumhaften Stränden auch noch in unmittelbarer Nähe zum Krüger Nationalpark liegt. Mich hat diese quirlige Stadt direkt in ihren Bann gezogen, schon der Weg vom Flughafen bis zum Hotel war ausreichend, um meine Augen zum Überlaufen zu bringen.

Maputo ist eine eigene Welt, die sich nicht mit anderen, mir bekannten Städten im südlichen Afrika vergleichen lässt. Es fängt mit einem durchweg schwarzen Straßenbild an, hellhäutige Menschen sind die Ausnahme. Autos fahren kreuz und quer, inmitten von Motorrädern und Tuk Tuk`s, es scheint keine Regeln zu geben – bis auf eine Regel: die Polizei hat immer Vorfahrt. Wahrscheinlich ein Tribut an die AK47 Maschinengewehre, die Standardwaffe der Militärpolizei, die von den Amtsträgern immer gern und viel gezeigt werden.

Auch bei mir haben sie Respekt hinterlassen, insbesondere dank der nächtlichen Verkehrskontrollen…

Wir fahren weiter zum von Gustave Eiffel entworfenen Bahnhof, dem heimlichen Wahrzeichen von Maputo. Ein anmutiges Gebäude aus Weiß und Grün mit eisernem Dach, und (meiner Meinung nach zu Recht) unter die zehn schönsten Bahnhöfe der Welt gewählt. Im Jahr 2016 feierte dieser Bahnhof sein hundertjähriges Bestehen und bildete bereits in Filmen wie Blood Diamant und Muhammad Ali eine würdige Filmkulisse.

Wie gern würde ich einen Nachmittag an diesem Ort verbringen, die Menschen beobachten und fotografieren, leider ist die Zeit mal wieder zu kurz.

Railway station Maputo Mozambique.

Es geht zurück zum Hotel, vorbei am neuen monumentalen Gebäude, der Zentralbank. Ein Gebäude, das selbst dem EZB Hauptgebäude in Frankfurt die Stirn bieten kann, und das alles für eine Währung, den Metical, der schneller verfällt als Sand durch meine Hände zu rieseln vermag.

Dies ist ebenso normal in Maputo wie diverse Ruinen, oder präziser gesagt angefangene und nie fertiggestellte Hochhäuser, im 70er Jahre Stil. Diverse Betongerippe prägen das Stadtbild genauso wie fertiggestellte Plattenbauten neben zerfallender portugiesische Architektur.

Viele Mosambikaner arbeiteten bis zur Wende in der ehemaligen DDR, um ihre Familien in der Heimat ernähren zu können. Die sogenannten Madgermanes wurden nach der Wende in ihre Heimat abgeschoben und warten zu großen Teilen noch bis heute auf einen Anteil ihres DDR Lohnes.

Die Menschen haben reale und existenzielle Gründe den Kopf in den Sand zu stecken, voller Angst oder frustriert zu sein, denn hier geht es oftmals um das nackte Überleben. Dennoch scheint die überwiegende Zahl der Menschen in Maputo, so wie in den meisten südafrikanischen Staaten, unglaublich offen und glücklich zu sein. Diese Lebensfreude und Leichtigkeit verzaubert mich jedes Mal wieder aufs Neue auf diesem Kontinent.

Die Menschen nehmen die Herausforderungen des Lebens mit einem Lächeln auf den Lippen an und freuen sich lieber über den heutigen Tag als an das ungewisse Morgen zu denken. Natürlich birgt dies auch Probleme, aber irgendwie komme ich mit dieser Überlebenstaktik besser klar als mit so manch deutscher Lebenseinstellung.

Am beeindrucktesten war für mich ein Besuch in Mafalala, dem ältesten Township Maputos, Heimat vieler prägender Menschen Mosambiks. Hier lebten und leben Künstler, insbesondere Maler und Poeten. Mafalala ist aber auch die frühere Heimat mehrerer Präsidenten, die ihre Vergangenheit mit der Wahl leider weitestgehend vergessen haben.

Es ist auch die Heimat von Eusébio da Silva Ferreira, dem Ausnahmefußballer Portugals mit mosambikanischer Herkunft, zumindest bis Ronaldo ein Fußballfeld betreten hat.

Eusebio hatte neun Geschwister, die seine Mutter weitestgehend allein aufzog. Eusebio lernte hier das Fußballspielen, barfuß und mit einem Ball aus Lumpen.

Der Sandplatz neben der Hauptstraße des Townships, auf dem Eusebio seine ersten Turniere spielte, bildet noch heute den Mittelpunkt von Mafalala. Niemand lässt sich hier ein Spiel entgehen, es ist das Ereignis im Township.

Ein unbeschreibliches und merkwürdiges Gefühl beschleicht mich, als ich langsam diesen staubigen Platz überquere.

An der nächsten Ecke wird es mir bewusst. Menschen wie Eusebio sind die Helden eines jeden Townships, sie sind das Öl, das den Motor am Laufen hält, und dennoch bleiben diese Träume für die meisten Bewohner unerreichbar. Der Alltag im Township ist hart und die Perspektiven fehlen weitgehend – Car Wash anstatt Fußballstar… 

Dennoch geben die Menschen nicht auf und sind stolz auf ihr Leben und ihr Township Mafalala. So wie Titus, mein Guide.

Mit Touren wie den seinen werden auch lokale Projekte unterstützt, wie z.B. die Primary School. Die Township-Bewohner haben verstanden, dass Bildung der einzige Ausweg aus dem Township ist. Dennoch sind die Lernbedingungen schwierig, kleine und heiße Klassenräume, drei Kinder teilen sich eine winzige Bank und meistens ein Buch.

Fortschritt kann nur langsam erreicht werden, wichtig ist Stetigkeit, nur so bleibt die Hoffnung auf Veränderung am Leben!

maputo mafalala
maputo

Einige Menschen reagieren merkwürdig, wenn ich von einem Township-besuch erzähle. Ich möchte mich weder für mein Tun rechtfertigen noch den Zeigefinger heben. Diese Bilder sollen einen aktuellen Eindruck vom Zeitgeschehen wiederspiegeln – nicht mehr und nicht weniger. Wer Interesse an weiteren Eindrücken hat, der findet HIER einen Bericht über das Township Langa in Kapstadt.

Mosambik und Maputo ist auf jeden Fall eine Reise wert, nur für Afrikaliebhaber. Irgendwann werde ich sicher wiederkommen.

Über den Autor

Dennis Wehrmann ist Fotograf und Vielreisender. Informationen zu seinen Reisen und seiner Arbeit auf seinem Blog https://www.wehrmann-photography.com/.

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